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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (2)

9. Februar 2014

Bernhard Blöchl

Seit ein paar Wochen kommt der Kulturteil der München- und Bayern-SZ ziemlich neu daher. Mehr Service, mehr Magazin, mehr Mehr. Eine Kolumne gibt es auch, und ich bin einer der Autoren. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein zweiter Teil vom 8./9.2.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Kultur im Fluss

Nicht nur auf diesen Kulturseiten ist so einiges im Wandel. Auch die Kultur selbst verändert sich, mäandert und mutiert herum, dass einem ganz schwindelig wird: Aus einem Roman wird ein Film; aus einem Film wird eine Komödie auf Kufen. Eine Komödie auf was? Richtig, auf Kufen. Ohne jemanden aufs Glatteis führen zu wollen, aber in der Olympiahalle kann man bis Sonntag jenen Urzeitviechern beim Schlittschuhlaufen zuschauen, die seit mehr als zehn Jahren in vier Animationsfilmen urkomischen Quatsch machen: Ice Age Live! heißt die Show, die Sid, das Faultier, und Manni, das Mammut, ins Rampenlicht rückt.

Auch, wer sich Matthias Schweighöfers neuen Film Vaterfreuden anschaut, bekommt nicht das Original, also das der Komödie zugrunde liegende Werk, geboten. Murmel Clausens Romane Frettsack und Frettnapf erheitern als leichtfüßige Schmunzelhymnen auf München. Bis auf ein freches Frettchen und einen folgenschweren Biss hat die Kino-Fassung damit nichts gemein. Das ist das Los der Literaturverfilmung (ich plädiere dafür, die Bücher zu lesen).

Wie erfreulich ein Wandel sein kann, zeigt Matthew McConaughey im sehr zu empfehlenden Film Dallas Buyers Club. In dem Aids-Drama um einen egozentrischen Schwulenhasser, der sich zum HIV-positiven Wohltäter mausert, spielt der Texaner beeindruckend variantenreich auf. Den Wandel vom Sixpack-Zeiger und Komödien-Star zum Charakter-Darsteller mit Oscar-Ambitionen hätten ihm viele nicht zugetraut. Ich auch nicht.

 

Eine famose Flucht aus der Depression heraus in eine utopische Welt vertont die Indie-Pop-Band Ja Panik! auf ihrem Album „Libertatia“. Ihr neues Soundkonzept stellen die Wahl-Berliner aus Österreich am Montag um 21.30 Uhr in München vor – im Strom-Club, wie passend. Alles im Fluss, und die Kultur mäandert munter weiter. Das ist schön. Wer stehen bleibt, dem wird zwar nicht schwindelig, aber ans Ziel kommt er nie.

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