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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (3)

21. Februar 2014

Bernhard Blöchl

Seit ein paar Wochen kommt der Kulturteil der München- und Bayern-SZ ziemlich neu daher. Mehr Service, mehr Magazin, mehr Mehr. Eine Kolumne gibt es auch, und ich bin einer der Autoren. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein dritter Teil vom 2o.2.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Heute ist morgen gestern

Kulturjournalisten sind Zeitreisende. Sprunghafte Wesen, die zwar nicht in der Sonne glitzern wie die Helden aus schwülen Fantasy-Romanen, aber kaum zu fassen sind auch wir. Irgendwie. Wir leben nicht im Hier und Jetzt und schmieden Pläne für den Abend; „carpe diem“ können Sie bei uns vergessen! Denn Heute ist zeitungsmäßig schon von gestern. Mindestens. Stattdessen sind wir so getrimmt, dass unsere Gedanken um kulturelle Ereignisse kreisen, die bis zu drei Wochen in der Zukunft liegen (die DIN-A3-Organigramme unserer Themenkonferenz sind Buchstabenwimmelbilder XXL). Ein Beispiel? Aber gerne: In dem Moment, da Sie diese Kolumne lesen, hoffe ich bereits auf Geistesblitze für die nächste. Sie lesen also, mit Verlaub, einen alten Hut.

Anderen geht es auch nicht besser: Die Verschiebung des Zeitgefühls führt mitunter dazu, dass meine Freunde wirre Antworten auf ihre Frage bekommen, was man denn derzeit im Kino schauen soll. Ich empfehle dann zuweilen Filme, die noch gar nicht zu sehen sind, deren Bilder mir aber im Kopf herumflirren, weil ich über sie für das SZ Extra schreibe, das aber erst nächsten Donnerstag herauskommt. Philomena mit der erneut bezaubernden Judi Dench etwa, toller Film! Der startet am 27. Februar. Oder, noch schlimmer, ich plappere von Komödien, die erst im März anlaufen, die ich aber soeben in einer Pressevorführung gesehen habe, wie den neuen Doris-Dörrie-Film Alles inklusive. Auch das hilft Ihnen jetzt nix.

Heute dagegen startet Stromberg – der Film zur Büro-Serie. Woher ich das weiß? Ich habe für diese Kolumne im SZ Extra nachgeschaut, das uns die vergangenen Tage beschäftigte und heute als gedruckte Zeitung der SZ beiliegt. Ich kann mich zwar nicht mehr an viele Details erinnern, weil die Pressevorführung schon so lange zurückliegt. Aber in meinem Artikel habe ich notiert, dass er jede Menge Spaß macht. Also der „Bruce Willis der Quartalsberichte“. Der Christoph Maria Herbst. Um das Zeitgefühl noch mehr zu strapazieren: Derzeit kann man im Filmmuseum Deutsche Filme 2013 sehen. Eine schöne Reihe mit Werken, die man möglicherweise im Vorjahr verpasst hat. Weil sie untergegangen sind im Mainstream der Blockbuster. Filme wie Eltern (22.2., 21 Uhr) oder Das merkwürdige Kätzchen (9.3., 21 Uhr) zum Beispiel. Pflücke das Gestern. Quasi.

Um den Kopf klar zu kriegen, empfehle ich das Bierfestival Braukunst live. Von morgen, Freitag, bis Sonntag kann man im MVG-Museum die Vielfalt der Biere probieren. Ales, Blonde, Stouts und Doppelböcke. Und ich bin mir ziemlich sicher: Nach einem Ambrosius mit„ orangen Reflexen und samtiger Schaumkrone“ kreisen die Gedanken nicht mehr um kulturelle Ereignisse in der Zukunft. Die kreisen dann gar nicht mehr. Höchstwahrscheinlich sind wir es, die dann kreisen. Im Hier und Jetzt.

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