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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (9)

23. Mai 2014

Bernhard Blöchl

Der Kulturteil der München- und Bayern-SZ ist renoviert worden. Mehr Service, mehr Magazin, mehr Mehr. Eine Kolumne gibt es auch, und ich bin einer der Autoren. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein neunter Teil vom 22.5.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Aus der Tiefe der Leere

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. So ein Schmarrn! Zumindest nach dem letzten Spiel ist keineswegs vor dem Spiel, sondern zunächst einmal spielfrei, und das kann zum Problem werden für einen Fußballfanatiker wie mich. Das Pokalfinale ist rum, die Bundesliga schon seit März, und die Champions League interessiert nur noch Madrilenen (und Bayernhasser). Das alles hat Konsequenzen: Plötzlich klafft samstags um 15.30 Uhr eine Aktivitätslücke, und mit meinem Kollegen im Büro muss ich jetzt über Jazz reden statt über Peps Fehler im Real-Desaster. Nun könnte man anmerken, dass eh bald die WM beginnt. Was aber sportbefreite Gemüter nie verstehen: Das Loch, in das man zu fallen droht, ist größer als der Anstoßkreis, ist tiefer als Günter Netzers Raum von einst. Also eben noch mehr Kultur. Das könnte helfen – oder zumindest ablenken.

Laute Konzerte wären eine Option. Beim Pfingst-Theatron , das diesmal nicht an Pfingsten, sondern bereits von Freitag, 23., bis Sonntag, 25. Mai, über die Freiluftbühne im Olympiapark geht, kann man sich am Samstag zur besten Fußballzeit die Dröhnung geben – und bis in den Abend hinein spannende Indie-Gruppen aus aller Welt bejubeln (Eintritt frei). Aloa Input zum Beispiel. Die spielfreudige Dreierkette ist zwar nicht der FC Bayern unter den Münchner Pop-Bands, hat aber Potenzial zu funkeln wie der Stern des Südens. Gleiches gilt für Jesper Munk , dessen knarziger Retro-Blues so robust daherkommt wie Javier Martinez im defensiven Mittelfeld. Der Münchner Aufsteiger macht den fußballfreien Sonntag erträglicher (21.15 Uhr).

 

Eine andere Möglichkeit, sich ohne Depression durch den Alltag ohne Torjubel zu schleppen, besteht im radikalen Eskapismus, den nur das Kino bietet. Effektreiche Blockbuster erscheinen mir die beste Wahl, die blasen einem die Birne weg wie sonst nur Treffer durch Arjen Robben in letzter Minute. Glücklicherweise laufen derzeit einige Hollywood-Kracher, die sich mitunter durchaus lohnen: Der neue X-Men -Film zum Beispiel spielt zum großen Teil in den Siebzigern, einer Zeit, als Uli Hoeneß und Paul Breitner noch Vorbilder waren.

 

The Amazing Spider – Man 2 ist eine Hommage an die Reflexe von Manuel Neuer, und Godzilla erinnert den Bayern-Fan an jene Phase vor wenigen Monaten, als seine Mannschaft noch unbesiegbar erschien. Fußballfreunde, die Schwabing nur im Feierzustand kennen, sollten sich Wolfgang Ettlichs Langzeitdoku über die Hohenzollernstraße anschauen – damit sie wissen, wie die Party-Zone im Normalzustand aussieht (26.5., 18 und 20.30 Uhr, Heppel & Ettlich).

Wer gar nicht ohne Fußballer kann, der braucht nur zum Gärtnerplatz zu sprinten, wo Bastian Schweinsteiger gerne mal in der Sonne sitzt (meist mit Kappe, in der Regel tagsüber). Und am 12. Juni rollt eh wieder der Ball. Der Abend der WM-Eröffnung ist mein Geburtstag. Wenn das kein Zeichen ist.

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