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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (10)

7. Juni 2014

Bernhard Blöchl

Der Kulturteil der München- und Bayern-SZ ist renoviert worden. Mehr Service, mehr Magazin, mehr Mehr. Eine Kolumne gibt es auch, und ich bin einer der Autoren. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein zehnter Teil vom 5.6.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Klischess finden Stadt

Nächste Woche wird Berlin eröffnet, wussten Sie das? Also das Berlin im Schlachthofviertel. Das Sommerfestival, von dem Besucher sagen, hier sei München am berlinerischsten. Weil im Viehhof-Kino mit dem baumlosen Biergarten alle so entspannt und entschnöselt und entkoffeiniert sind, dass die Gäste anderer Freilufttrinkstätten neidvoll herüberschauten, wären die Mauern an der Tumblingerstraße nicht so hoch. Womöglich auch deshalb, weil es auf dem Gelände der ehemaligen Großviehhalle so herrlich staubt? Vielleicht aber auch, weil hier regionale Serien („Irgendwie und Sowieso“, „Zur Freiheit“) und extravagantes Hollywood-Kino („The Wolf Of Wall Street“) harmonieren wie Möchtegernkünstler in Prenzlauer Berg. Ich habe keine Ahnung. Ich persönlich mag Berlin nicht sonderlich, fühle mich im Viehhof aber sauwohl. Mit den Städte-Klischees ist es ja immer so eine Sache.

MilenaKürzlich bin ich auf ein Buch aufmerksam geworden, das offensiv mit dem München-Bild spielt, das Zuagroaste im Kopf haben, wenn sie ihre Gedanken über den, pardon, Weißwurstäquator hinaus kreisen lassen. Es heißt München schön trinken, und schon im Titel vermutet der Grantler eine Unverschämtheit, zumal die Textesammlung in einem Verlag aus Wien erschienen ist. Handelte es sich um einen Berliner Verlag, wäre sowieso Krieg angesagt, aber das nur nebenbei.

Hier verhält es sich anders, und der Herausgeber, der Wahl-Bayer Albrecht Mangler, stellt gleich im Vorwort klar, dass man sich München nicht schöntrinken muss. Vielmehr geht es in dem Kneipenbuch um 36 Orte in der Stadt, wo man „schön trinken“ kann. Da schwärmt der Neu-Münchner Jo Lendle vom Kaffee im „Bald neu“, und der Autor Stefan Wimmer beschreibt heiter brünftig, wie er einst der Moderedakteurin Lavinia seine Lieblingsbar, das „Zephyr“ in der Baaderstraße, schmackhaft machte (und seinen Existenzialisten-Körper gleich dazu). Einige der Autoren, darunter Mangler, Friedrich Ani und Theresa Schenkel, werden bei der Buchvorstellung im Jennerwein ihre Miniaturen persönlich vorlesen (11. Juni, 21 Uhr, Eintritt frei).

Zurück nach Berlin. Weg vom Trinken, hin zur seriösen Kultur: Das Filmmuseum startet am 6. Juni eine Reihe mit ostdeutschen Produktionen über das Bayern-Klischee. Unter dem Motto Bayern in Babelsberg werden Defa-Spielfilme gezeigt, die den Süden der BRD skizzieren. Dass Klischees per se schlecht seien, ist übrigens ein Klischee. Der verspielte, kreative Umgang damit macht die Sache immer wieder spannend.

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