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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (11)

13. Juni 2014

Bernhard Blöchl

Der Kulturteil der München- und Bayern-SZ ist renoviert worden. Mehr Service, mehr Magazin, mehr Mehr. Eine Kolumne gibt es auch, und ich bin einer der Autoren. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein elfter Teil vom 13.6.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Früher war alles früher

Wenn diese Zeilen erscheinen, werde ich gestern Geburtstag gehabt haben. Ich werde mit Freunden beim Fußballschauen angestoßen und mich daran erinnert haben, wie ich vor zwölf Jahren war. Ein Dutzend Jahre bedeutet eine Ewigkeit, oder anders gesagt: zehn Kilo weniger. Meine Erinnerungsfetzen handeln von luschigen Diplomprüfungen, Zukunftsplänen, die auf Sylt geschmiedet und bald verworfen wurden, vom neuen Job bei SZ Extra und davon, wie Richard Ashcroft in der Elserhalle seinen Mikrofonständer durch die Luft pfefferte, weil er mit der Technik unzufrieden war.

Zwölf Jahre vergehen verdammt schnell – manchmal verwehen sie in zweieinhalb Stunden. So lang dauert Richard Linklaters Film Boyhood. Seinetwegen denke ich über diese Zwölf-Jahre-Sache nach. Denn so lange begleitete der Texaner, der bereits in seiner „Before“-Trilogie die Zeit zum Hauptdarsteller erhob, seine Protagonisten. Das Ergebnis ist nicht etwa ein Dokumentarfilm, sondern ein fiktives Coming-of-Age-Drama, oder: eine unangestrengte Studie über die Vergänglichkeit. Dem kleinen Mason (Ellar Coltrane), aber auch Ethan Hawke und Patricia Arquette beim Älterwerden zuzuschauen, ist ein einzigartiges Kinoerlebnis, und man ertappt sich unweigerlich dabei, sich sein Leben im Zeitraffer vorzustellen.

 

Miroslav Klose dürfte das leicht fallen, er sieht immer aus wie Miroslav Klose. Dabei ist der 36-Jährige der einzige Spieler, der schon vor zwölf Jahren für Deutschland zur WM reiste: 2002, 2006, 2010, 2014! Am Montag will er gegen Portugal treffen, in der ersten Partie von Jogis Truppe in Brasilien (18 Uhr). Gelingt ihm das, zieht er mit Ronaldo gleich, dem „ewigen“ WM-Torschützenkönig. Also dem Brasilianer, nicht der Heulsuse namens CR7. Sie gegen Deutschland flennen zu sehen, werde ich mir nicht entgehen lassen, vielleicht sogar in der Lisboa Barin Haidhausen, das könnte lustig werden. Oder im Stadion an der Schleißheimer Straße, wo Fußballschauen immer Spaß macht, auch weil die Wirte so entspannt und freundlich sind wie Manuel Neuer und Philipp Lahm zusammen. Als hier der Autor Oliver Uschmann neulich aus seinen Glossen Überleben beim Fußball las, eine empfehlenswerte Lektüre zur WM übrigens, kamen leider nur sehr wenige Zuhörer, denen die Gastgeber spontan freien Eintritt gewährten.

Respekt verdienen auch Ozzy Osbournes Black Sabbath, denen man ihr Alter unbedingt ansieht, aber die den Heavy Metal noch immer beherrschen, was sie auf dem Königsplatz (!) beweisen wollen (13.6., 19.30 Uhr, früh kommen! Soundgarden singen als Vorgruppe zum Sonnenuntergang „Black Hole Sun“). Und falls Sie jetzt über diese Kolumne denken: Sollte da nicht mehr sein? Dann trösten Sie sich – das fragen sich viele nach zwölf Jahren auch.

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