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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (12)

9. Juli 2014

Bernhard Blöchl

Der Kulturteil der München- und Bayern-SZ ist renoviert worden. Mehr Service, mehr Magazin, mehr Mehr. Eine Kolumne gibt es auch, und ich bin einer der Autoren. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein zwölfter Teil vom 8.7.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Pingpong für Könige

Lynn war ein Geschenk der Götter. Pingpong für Könige. Ein Sommer ohne Wahrheiten. Verzeihen Sie mir die Wirrnis, aber ich bin noch nicht zurück im Takt. Gut möglich, dass diese Zeilen holpern, weil mir im Strudel des Filmfests der Rhythmus abhanden kam. Als Journalist verbringt man ja mitunter ganze Tage im Kino respektive bei Interviews, wahlweise beim Katalogwälzen. Und wundert sich darüber, was das Festival aus der Stadt macht – und aus einem selbst.

Filmfestpic

Flmfestmünchen ist nicht Alltagsmünchen, das muss man erst einmal verarbeiten. Selbst vor bodenständigen Kinos lagen rote Teppiche, über die aufgebrezelte Studentinnen stöckelten, in der Hoffnung, ein Blitzlicht reflektieren zu dürfen; Abspänne wurden komplett und noch im Dunkeln gezeigt. Vermissen werde ich auch die Reaktionen der Nicht-Münchner auf das Ächzen des Vorhangs im Arri. Wundern, Kichern, Nachäffen. Bei jeder. Einzelnen. Vorstellung! Bemerkenswert waren auch die Blicke der Auswärtigen auf unsere Stadt. Es ist ja interessant, was die Leute so daherphilosophieren, wenn sie ein paar Tage Isarluft schnappen. „Die Münchner gehen erst auf die Straße, dann schauen sie“, meint die eine. „The Munich guys are so smexy!“, findet die andere. Nicht vermissen werde ich Kollegen, die bei Pressevorführungen Filme schneller mit zwei Floskelsätzen vernichten, als sie ihre Gratis-Cola-light leergezuzelt haben, um sich eine neue zu holen. Für die nächste Komödie, die sie nicht mögen dürfen. Warum ist Schwärmen gleich noch mal out?

Positiv in Erinnerung geblieben sind mir folgende Filme: „Das Zimmermädchen Lynn“ mit der wundersamen Vicky Krieps, „Ein Geschenk der Götter“ mit der wunderbaren Katharina Marie Schubert, das kleine Retro-Wunder „Ping Pong Summer“ sowie „Lügen und andere Wahrheiten“ mit Florian David Fitz als Yogi mit Aggressionsproblemen. Da die Festivalbeiträge frühestens im Herbst ins Kino kommen, wenn überhaupt, hier ein paar Empfehlungen für die kommenden Tage: Am Donnerstag startet in München Die Karte meiner Träume, der poetisch-verspielte Eröffnungsfilm des Filmfests, außerdem Violette, das elegant inszenierte Biopic über die Schriftstellerin Violette Leduc, das als Plädoyer für Wahrhaftigkeit und die Essenz des Schreibens fasziniert und inspiriert. Fans der Indie-Band The National dürfen sich auf Mistaken For Strangers freuen, eine intensive Tour-Doku von Tom Berninger, dem Bruder des Sängers Matt.

Wem das gefällt, den möchte ich gern nach Oberaudorf schicken. Nicht nur, weil dort, wo Bastian Schweinsteiger aufwuchs, Oberbayern am schönsten ist. Vor allem deshalb, weil am Mittwoch die Musikfilmtage Oberaudorf beginnen. Starke Werke über begnadete Soundtüftler in kaiserlicher Umgebung – das gibt es nur hier (Tipp: „Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen“). Und in zwei Wochen eröffnet das Fünf-Seen-Film-Festival. Dann geht der Wahnsinn wieder von vorn los.

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