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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (17)

6. Oktober 2014

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 17. Teil vom 6.10.2014:

VORSCHLAG-HAMMER
Schoßgebete für die Ehe

Die Wiesn ist vorbei – und Ihre Ehe? Nicht, dass es mich etwas anginge oder ich Pessimist wäre, aber es soll zuweilen vorkommen, dass die Gattin im Herzkasperlzelt einen neuen Prinzen findet, während der Gatte im Schützen-Festzelt den Schürzenjäger in sich entdeckt. Was auf der Wiesn passiert, bleibt auf der Wiesn. So predigen Freunde des Fremdbusselns und schweigen wie ein Bierdeckel. Wer weiß schon, was das Herzblatt denkt? Da kann man sich jahrelang gegenseitig auswendig lernen und weiß doch: nicht viel.

Wie fremd sich Ehepartner sein können, damit spielt der Regisseur David Fincher in seinem jüngsten Thriller: Gone Girl basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Gillian Flynn, und die entwirft in ihrer Geschichte das Psychogramm eines Liebespaares, das sich zwischen wildem Sex und der Einöde Missouris verliert. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ben Affleck und Rosamund Pike sind in den Hauptrollen zu sehen, und wer beim Namen der 35-Jährigen an Rosamunde-Pilcher-Romantik denken muss, wird sein blutrotes Wunder erleben. Übrigens: Falls Ihre Frau seit der Wiesn verschwunden ist, so plötzlich wie die kühle Blonde in Finchers Drama, dann ziehen Sie bitte nicht nur die naheliegenden Ursachen in Betracht. Der Kinofilm zeigt, dass nichts ist, wie es scheint.

Auch der englische Schriftsteller David Nicholls beschäftigt sich in seinem neuen Roman mit der Frage, die alle Paare umtreibt, sofern sie nicht längst polygam eingestellt sind: Wie, beim spitzen Pfeil des treffsicheren Amor, hält eine Liebe ein Leben lang?

3aufReisen

In „Drei auf Reisen“ (kürzlich erschienen bei Kein & Aber) schickt der Bestseller-Autor („Zwei an einem Tag“) ein ehemals glückliches Paar quer durch Europa. Es soll der letzte Urlaub werden, den sie und ihr Sohn gemeinsam unternehmen. Denn Connie will die Trennung. Ihr Mann Douglas möchte das verhindern. Gut möglich, dass der Beziehungsausleuchter Nicholls Liebestipps zu geben bereit ist, wenn er am 21. Oktober im Literaturhaus gastiert.

Die Lösung lautet sowieso Sex. Davon ist Elizabeth (Lavinia Wilson) überzeugt, die alles für ihren Mann (Jürgen Vogel) tun würde, um ihn vom Fremdgehen abzuhalten: Pornos, gemeinsame Erotik-Shop- und Bordell-Besuche? Alles kein Problem. Schoßgebete heißt der Film zum Buch von Charlotte Roche (läuft noch im Mathäser). Eine andere deutsche Kinokomödie konzentriert sich auf die Sicht der Kerle. Allerdings ist die Anregung, die in Männerhort skizziert wird, eher feiger Natur: Bei Beziehungsproblemen aller Art helfe, so suggeriert das zotige Kammerspiel, die Flucht zu den Kumpels in den Heizungskeller. Tiefgründiger beraten werden Paare im Dokumentarfilm über den Psychiater und Schriftsteller Irvin D. Yalom: Yaloms Anleitung zum Glücklichsein geht Fragen nach, die sich nicht nur Wiesn-Hallodris stellen sollten: Wie lebe ich ein erfülltes Leben, und wie führe ich eine harmonische Beziehung?

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