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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (21)

28. Januar 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 21. Teil vom 27.1.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Bartgerechte Haltung

Ob Sie das interessiert oder nicht, aber für diese Zeilen habe ich mich extra rasiert. Glauben Sie mir, am Ende werden Sie mich verstehen. Eine steile These aus dem Gender-Dschungel geht ja so: Je härter die Zeiten, desto wilder die Bärte. Dahinter steckt die naive Annahme, der Typ Testosteron-Toni tauge eher zum Anpacker als der metrosexuelle Feingeist, dem man außer Feingeistigem nichts zutraut.

Nun müsste man fragen, ob denn gerade harte Zeiten sind? Was die Filmbranche in Bayern betrifft, sieht die wirtschaftliche Lage gar nicht mal so übel aus: Erst kürzlich wurde der Etat des Film-Fernseh-Fonds (FFF) um eine Million Euro erhöht. Aber da schau her: Beim prominent besetzten Presse-Lunch, zu dem der FFF kürzlich nach Schwabing eingeladen hatte, hielten die Kameras neben berühmten Frauen vor allem eines fest: Bärte. Josef Haders Schnauzer hier, Florian David Fitz‘ Korsarenbärtchen da, und der Produzent Philip Schulz-Deyle, der den Oscar-Gewinner Oliver Stone begleitete, hatte einen Gesichtsbusch zu bieten, dass einem die mickrig behaarte Kinnlade runterfiel.

Johnny Depp war leider nicht da. Der hätte alle in den Schatten gestellt – vorausgesetzt, er trägt noch immer sein „magisches Bürstchen“, das er sich für seine Kinokomödie „Mortdecai“ hat montieren lassen. Mein lieber Scholli, was für ein Schnurrbart! In der Mitte buschig, außen gezwirbelt. Aber nicht alle sind begeistert. Gwyneth Paltrow, die in dem Schelmenstück seine exquisite Herzensdame spielt, könnte kotzen, wenn sich ihre Lippen nähern. Ein ansteckender Brechreiz, der nicht zu dem ästhetischen Film passen mag.

Wie kompliziert das Leben mit Y-Chromosom sein kann, mit all den Gender-Vorurteilen und -Erwartungen, zeigt ein Film aus Deutschland, der heißt wie ein Motto: „Da muss Mann durch“ (muss Mann übrigens nicht, Frau auch nicht, den Film kann man sich sparen). Ebenfalls von Donnerstag an im Kino: Keanu – Matrix-Matador – Reeves. Der 50-Jährige ist als Racheteufel „John Wick“ hart wie nie. Mit Bart. Gisbert zu Knyphausen (am 30.1. live im Strom) wirbelt alles durcheinander. Der Singer-Songwriter trägt gern Bart, ist aber in seiner Kunst alles andere als hart. Eher zart. Zart mit Bart – ein Hoch auf den Klischeebruch! Bleibt noch die Frage zu klären, warum ich mich denn rasiert habe für diese Zeilen. Ganz einfach, weil es gejuckt hat. Mehr hineinzuinterpretieren, wäre Haarspalterei.

 

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