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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (22)

10. Februar 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 22. Teil vom 9.2.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Fifty Shades of Schamesröte

Würde es mir gelingen, gleich im ersten Satz die Wörter Studentin, Milliardär, Sex und Macht unterzukriegen, stünden die Chancen fabelhaft, dass alle weiterlesen. Ließe ich im zweiten Satz die zwar etwas komplizierten, gleichwohl fesselnden Begriffe BDSM, Playroom und Sub fallen, wäre mir Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit sicher (nachdem Sie mit dem Googeln fertig sind, versteht sich). Man muss den Leser, mit Verlaub, bei der Stange halten. Dachte ich mir, als ich diese Kolumne begann. Und siehe da, Sie sind noch hier.

Dafür verrate ich Ihnen ein Geheimnis: Ja, ich werde mir Fifty Shades Of Grey anschauen, den Kinofilm zu den Erotikromanen der Engländerin E.L. James, in dem es um eine spezielle Form der Liebe geht, ach, setzen Sie einfach die oben eingestreuten Vokabeln in die richtige Reihenfolge – fertig ist der Plot. Allein schon aus Neugier will ich das sehen, zu viel Widersprüchliches rauscht seit drei Jahren durch alle Kanäle. Es gibt ja solche und solche Kenner der Materie. Die einen vorverurteilen den Stoff als „Mommy Porn“; andere geben ihm wenigstens eine Chance und erkennen in dem scheinbaren Sadomasomärchen eher eine große Liebesgeschichte als großen Schweinkram.

 

Dabei ist das zugrunde liegende Thema uralt – das Team des Werkstattkinos könnte gewiss im Schlaf eine Reihe kreuz und quer durch die Filmgeschichte konzipieren, die sich mit Dominanz und Unterwerfung beschäftigt. Ein Beispiel aus dem Jahr 2013, das Low-Budget-Fetisch-Experiment Remedy, läuft hier am kommenden Wochenende. Bereits am heutigen Montag ist im Werkstattkino The Velvet Vampire in der Spätvorstellung zu sehen, eine Art Verführungsfilm von 1971, der die Frau aus der mythologischen Opferrolle befreit. Fifty Shades Of Blood. Quasi.

Allesamt gute Ideen für den Fasching, wenn Sie mich fragen. Also eine lesbische Vampirin für die Damen und Christian Grey für die Herren (Anzug, Geld, Schnüre, fertig). Ich selbst werde dieses Jahr ebenfalls genötigt, mich zu verkleiden. Warum ich als Sträfling gehe, der wegen seiner Gräueltaten an einer sehr bekannten deutschen Schlagersängerin einsitzt, ist eine andere Geschichte.

Wer das Kostümieren lieber seinen Mitmenschen überlässt, genießt meinen vollen Respekt. Hier ein paar Tipps für Faschingsbeobachter: Das Monopol zeigt die Doku Karneval! – Wir sind positiv bekloppt (11.2.) und lässt einen Tag später die Rocky Horror Picture Show aufleben – mit musikalischer Live-Darbietung nach dem Film. Wem das zu wenig Verkleidung ist: Am Mittwoch, 11. Februar, gastiert mal wieder die Monsterkapelle Lordi in München, genauer gesagt im Backstage. Ein Fest für Narren. Zum Abschluss noch ein Gedanke zum Anfang: Ich hätte diese Kolumne auch mit den Begriffen Loft, Krawatte und Baumarkt beginnen können, ebenfalls feste Bestandteile von „Shades Of Grey“. Dann hätten Sie aber gewiss nicht bis hierhin durchgehalten – und hätten diese Video-Parodie verpasst:

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