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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (23)

21. Februar 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 23. Teil vom 20.2.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
And the winners are … oder auch nicht

Gerade durfte man sich wieder daran gewöhnen, dass einem nicht ständig kostümierte Hallodris begegnen, und schon treibt der Verkleidungswahnsinn neue Blüten. In Los Angeles zumindest, wo am Sonntag die Oscars verliehen werden. Und da schaut natürlich jeder hin, der sich fürs Kino interessiert – oder eben für extravagant eingehüllte Millionärinnen und Millionäre, deren Stilberater respektive Couture-Sponsoren den schmalen Grat zwischen great und greislig nicht immer preiswürdig meistern. Masken gibt es da zwar nicht, erschrecken kann man sich bei einem allzu lässig zurechtgespritzten Krähenfuß oder einer Wurst von einem Kleid aber auch ganz gut. Zum Glück geht es auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten vorrangig um Filme. Kleiner Scherz, es geht natürlich nicht um die Filme, es geht um die Stars – und um die Fehlentscheidungen der Academy, vor allem darum geht es.

 

Damit Sie gut vorbereitet sind und mitschimpfen können, wenn am Sonntag mal wieder nicht der Name Leo DeCaprio vorgelesen wird (der diesmal gar nicht nominiert ist), soll Sie eine subjektiv gefärbte und unverschämt gestraffte Oscar-Zusammenfassung auf das Event einstimmen. Denn was wäre das für ein lausiger Vorschlag-Hammer, wenn es keine Tipps gäbe, konkrete Tipps wohlgemerkt, alle Empfehlungen sind derzeit in den Münchner Kinos zu sehen. Hier also meine persönlichen Oscar-Gewinner.

Bester Film muss Boyhood werden, allein schon deshalb, weil Richard Linklaters Experiment, zwölf Jahre lang einen Spielfilm über das Vergehen der Zeit zu drehen, größtmöglich gewürdigt werden sollte. Coming of age im wahren Sinne (läuft noch im Monopol und im Rio). Für die Beste Regie (und für das Beste Drehbuch) würde ich Wes Anderson auf die schmalen Schultern klopfen: Sein Grand Budapest Hotel ist so schrullig-schön, so zauberhaft lässt er die Figuren agieren, man muss dieses cineastische Schatzkästchen lieben (läuft im Monopol und in den Museum-Lichtspielen). Beste Hauptdarsteller dürfen sich Michael Keaton (Birdman, läuft in vielen Kinos) und Reese Witherspoon nennen, deren Tour de force in Der große Trip – Wild körperlich spürbar wird (läuft in vielen Kinos).

 

Als Beste Nebendarsteller sollten sich Patricia Arquette (Boyhood) und J. K. Simmons freuen dürfen. Letzterer zeigt in dem als Musikerdrama getarnten Kriegsfilm Whiplash, welchen Preis der Erfolg haben muss (läuft im Atelier, Münchner Freiheit und Museum-Lichtspiele). Das Beste adaptierte Drehbuch führte indes zum Kifferkrimi Inherent Vice mit Joaquin Phoenix (läuft in mehreren Kinos). Warum? Weil die Romanvorlage von Thomas Pynchon stammt, und dessen komplexen Genie-Wahnsinn muss man erst mal umschreiben können.

Aber am Ende kommt eh alles anders. Wetten, dass die im schrecklichsten Fummel am meisten grinsen werden? Vielleicht gehe ich doch lieber ins Werkstattkino.

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