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Gastbeitrag über „verschämte Literaturen“

13. März 2015

Bernhard Blöchl

Die Kollegin Birgit Böllinger hat mich kürzlich um einen Gastbeitrag für ihr Literaturblog „Sätze & Schätze“ gebeten. Aber gerne doch! Für die herrlich rotwangige Reihe verschämte Literaturen habe ich skizziert, was mich beim Romanschreiben inspiriert hat. Konkret habe ich über ein Buch geschrieben, das Julis Tour de force maßgeblich beeinflusst hat: „Die perfekte Masche“ von Neill Strauss.

Sprachlich eher so der Playboy-Style, literarisch belanglos, sind die Bekenntnisse ein wilder Ritt durch eine derbe und sexistische Parallelwelt. Mich hat das Buch erschüttert, die Lehren sind gefühlskalt, frauenfeindlich und egoistisch – aber auch raffiniert, denn unterschätzen sollte man UMAT (ultramännlichen Alphatiere) keineswegs, trotz der affigen Abkürzungen. Der internationale Bestseller in Ich-Form basiert auf den persönlichen Erfahrungen des Journalisten Neil Strauss, die Szene und die Lehren sind keine Erfindung. Und auch wenn der Autor mit der Erkenntnis das Projekt beschließt, wahre Liebe brauche keine Tricks, so bleibt doch ein dystopisch anmutendes Nachgefühl. Bei mir zumindest.

Für meinen Roman war klar: Ja, ich wollte Juli mit dieser knallharten Männerwelt konfrontieren, schon weil er als sensibler Gleichberechtigungsbefürworter einen schreiberisch starken Kontrast dazu verkörpert. Allerdings wollte ich die deprimierende Emotionslosigkeit dieser Underground-Szene satirisch überhöhen, schon um im Genre der Komödie zu bleiben. Also trifft Juli in Wien, wo er ein derartiges Seminar besucht, unter anderem auf Frauen, die die immergleichen “Opener” und Maschen im Fünf-Minuten-Takt hören und sich langweilen, punktet unfreiwillig bei einem homosexuellen Mann und landet mit einer Fremden im Stunden-Hotel, in dem er es aber keine Stunde aushält …

Was mir das verschämte Experiment gezeigt hat: Manchmal dienen unbequeme Bücher eben auch als Inspiration. Ein Autor, der sich nur in Kreisen bewegt, in denen er sich wohlfühlt, ist ein schlechter Autor – so viel Phantasie er auch immer haben mag.

Hier geht’s zum vollständigen Artikel.

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