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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (30)

26. Juni 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 30. Teil vom 25.6.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Den Stars auf den Fersen

Nun schlappen sie wieder, sie fluppen und schlurfen. Ich hasse diese Geräusche, sie versauen mir den Sommer. Aber nicht nur mir. Vor ein paar Jahren stieß ich auf ein Buch der US-Stilikone Glenn O’Brien, in dem ich über den herrlichen Satz, nun ja, stolperte: „Flip-Flops are fool shoes.“ Ich fühlte mich nicht nur bestätigt, sondern inspiriert – das Zitat sollte es auf die erste Seite meines Romans Für immer Juli schaffen, dessen Protagonist niemals Zehentrenner tragen würde. Glenn O’Brien auch nicht, da bin ich mir sicher, zumindest nicht öffentlich. Wenn er sich beim Filmfest mit der Journalistin und Autorin Katja Eichinger über Andy Warhol unterhält – die beiden haben eine exzellente Reihe kuratiert („Yes! Yes! Yes!“) -, dann werden da keine Schlappgeräusche zu hören sein, sondern höchstwahrscheinlich kultivierte Sätze (30.6., 19 Uhr, Black Box).

Verehrte Münchner, holen Sie Ihre guten Schuhe raus, Begegnungen mit großen Persönlichkeiten stehen an. Im Zusammenhang mit roten Teppichen wird ja gerne über Frauen und ihre High-Heels gesprochen, aber auch Männer dürfen auf ihr Schuhwerk achten. Für Pep Guardiola ist das selbstverständlich. Der stets herausgeputzte Fußballtrainer, der sogar einen Riss in der Hose elegant ignoriert, tritt am kommenden Dienstag im Literaturhaus auf. Richtig gelesen: im Literaturhaus (30.6., 20 Uhr). Wo steht geschrieben, dass sich Fußballer nicht auch für Poesie abseits des Rasens interessieren dürfen? Eben. Der Katalane liest also Gedichte seines Landsmannes Miquel Martí i Pol (1929 bis 2003), mit dem er eine tiefgründige Freundschaft pflegte und dessen Zeilen er seinerzeit den Spielern des FC Barcelona einimpfte.

Filmfest

Beim Filmfest, das an diesem Donnerstagabend eröffnet wird, kann sich der Münchner quasi aussuchen, an wessen prominente Fersen er sich heftet. Der Schauspieler Rupert Everett („Die Hochzeit meines besten Freundes“) spricht live vor dem Publikum (1.7., 18 Uhr, Black Box), ebenso der US-Regisseur Alexander Payne (27.6., 18 Uhr, Black Box), sein französischer Kollege Jean-Jacques Annaud (30.6., 18 Uhr, Black Box), der Däne Anders Thomas Jensen(26.6., 17 Uhr, Black Box) und viele namhafte Gäste mehr. Und Bill Drummond, der schottische Kreativkauz, den Popfans von der durchgeknallten Neunzigerjahre-Band KLF kennen, stellt in München den Film „Imagine Waking up Tomorrow And All Music Has Disappeared“ vor: Der Regisseur Stefan Schwietert hat Drummond in seinem dokumentarischen Experiment zum „Nullpunkt der Musik“ begleitet, dorthin, wo man sie in aller Unschuld nochmals erfinden kann (27.6., 17.30 Uhr, City-Kino). Außerdem wird der Ex-KLF-Star München mit dem Live-Kunstprojekt „Score 328: Surround!“ wachrütteln (28.6., 13-17 Uhr).

Auf Tollwood kann man den Stars ebenfalls recht nahekommen, Tom Jones zum Beispiel (6.7.), Joan Baez (11.7.) oder Patti Smith(13.7.). Wobei im Olympiapark bequeme Schuhe die bessere Wahl sind, es müssen ja nicht Flip-Flops sein.

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