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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (31)

8. Juli 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 31. Teil vom 8.7.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Sommersüchte

Ein schöner Strand braucht keinen Sand. Klar, wer konventionelle Beach-Partys sucht, vergnügt sich lieber auf der Praterinsel oder beim Isar-Happening am Vater-Rhein-Brunnen. Mit Bum-Bum-Beats im Ohr und Sand im Schuh, diese Art Spaß. Am Salvatorplatz dagegen bleibt das Outfit sauber, die schwungvoll arrangierten Pflastersteine sind die Dandys unter den Bodenbelägen. Darauf locken Liegestühle und Sonnenschirme, denn bei der Sommer-Lese des Literaturhauses darf man sich fühlen wie im Urlaub, darf verweilen, herumlümmeln und schmökern (werktags von 11 bis 19 Uhr, Leseproben vorhanden). Jeden Dienstag um 18.30 Uhr bitten die Veranstalter außerdem zum literarischen Apéro, dann lesen Münchner Schauspieler die ersten Seiten aus Romanen vor, die noch nicht veröffentlicht sind (am 14. Juli stellt Alexandra Helmig Peter Høegs „Der Susan Effekt“ vor). Das nenne ich einen wahren Kulturstrand, danach kann man süchtig werden.

Von Süchten war ja in den vergangenen Wochen häufiger die Rede, es scheint, als fördere die Hitze die Laster der Menschen. Beim Filmfest handelte jeder dritte Film von Obsessionen, gefühlt zumindest, ich denke da an überraschende Werke wie „Alki Alki“, „Broadway Therapy“ oder „Nightsession“, eine rauschhafte Skizze über das Milieu der Skateboarder und über München bei Nacht.

Schon seit einigen Jahren bin ich abhängig von der Reihe Mix im Literaturhaus, einem heiteren Hybrid-Abend für Freunde des Wortes, an dem mehrere junge Autoren ihre Werke vorstellen und zudem – wir wollen ja bei den Süchten bleiben – ihre Lieblingsgetränke und -songs mitbringen. Die nächste Ausgabe lässt sich prima mit dem „Apéro“ verbinden, sie findet ebenfalls am Dienstag, 14. Juli, allerdings um 20Uhr und drinnen statt. Zu Gast sind Maik Brüggemeyer, den ich als Autor der Zeitschrift Rolling Stone sehr schätze, sowie Kirsten Fuchs und Tilman Strasser. Alle Jahre wieder schaue ich auch beim Stadt-Land-Rock-Festival vorbei, einer wunderbaren Live-Musiksause in der Tanzbar auf dem Sommer-Tollwood. Von Donnerstag, 9., bis Sonntag, 12. Juli, dürfen sich insgesamt 15 junge Bands aus der Region austoben, die von der Süddeutschen Zeitung ausgewählt wurden, um dem Olympiapark einen frischen Sound zu verpassen (Eintritt frei).

 

Zum Thema Sucht sind mir noch zwei weitere Veranstaltungen aufgefallen, wobei ich Ihnen die Entscheidung selber überlassen möchte, ob Sie der möglichen Sogwirkung nachgeben oder nicht: Am Sonntag, 12. Juli, gibt es im Theater und so fort einen Liederabend über den schottischen Whisky. Laut Pressetext wird das eine musikalisch-szenische Collage werden, bei der auch ein Schaf eine Rolle spielt. Und im Zenith findet am Wochenende, 10. bis 12. Juli, die Hanfmesse Cannabis XXL statt. Ohne Witz! Wobei, die Pflanze ist ja universeller einsetzbar, als viele denken – für Kleidung, Kosmetik, Werkstoffe und so weiter. Weniger überraschend: Hans Söllner wird auch auftreten, wer sonst (Sonntag, 20 Uhr)? Es gab Zeiten, da war ich süchtig nach seinen Liedern („Mei Voda hod an Marihuanabaum“). Im nächsten Vorschlag-Hammer erzähle ich dann von meinen persönlichen Erfahrungen mit Whisky und Hanf. Oder auch nicht.

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