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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (32)

16. September 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Journalisten auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 32. Teil vom 15.9.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Fack ju Diktiergerät!

Nun könnte ich Ihnen von der Begegnung mit Elyas M’Barek vorschwärmen, dem Münchner Superstar unter den Schauspielern, der mit „Fack ju Göhte 2“ in diesen Tagen die Kinokassen füllt, als wären „Fifty Shades Of Grey“ oder die „Minions“ nur Vorfilme für den Blockbuster des Jahres gewesen. Ich könnte den Damen bestätigen, wie stilsicher sich Elyas kleidet, wie männlich sein Händedruck und wie professionell sein Umgang mit der Presse ist. Er kann sogar einen Stapel Autogramme schreiben und nebenbei Antworten geben, und bittet man ihn um ein gemeinsames Foto, springt er sofort auf, um sich mit dem Journalisten ins beste Licht der Hotelsuite zu rücken. All das könnte ich begeistert ausführen. Mach ich aber nicht. Weil es mir peinlich ist.

ElyasOft ist hier ja vorrangig von rühmlichen Ereignissen die Rede, von den Sonnenseiten des Kulturjournalismus, wer wieder wen getroffen und Exklusives erlebt hat. Aber es gibt eben auch Momente, da bauen wir einfach nur Mist. Meine Begegnung mit Elyas M’Barek gehört leider dazu. Und das kam so: Das Gespräch zur Fortsetzung der Hit-Komödie lief so weit ganz gut, und für die Kürze der Zeit hat der 33-Jährige durchaus einiges offenbart: Dass er sich nicht auf ein Rollenbild festgelegt fühle; dass er als Schüler dreimal sitzengeblieben sei und Zeki Müller, so heißt der von ihm gespielte Möchtenichtlehrer, cool gefunden hätte; dass er den Filmemacher Bora Dagtekin bewundere, er selbst aber derzeit nicht daran denke, auch einmal Regie zu führen oder Bücher zu schreiben. Am Ende erzählte der Sohn einer Österreicherin und eines Tunesiers noch, dass er die Kritik an Til Schweiger nicht verstehen könne, dessen Vorhaben, ein Flüchtlingsheim zu bauen, einfach nur zu befürworten sei. Und auf seine eigene Bar, die unter dem Namen „Paisano“ im Herbst in der Münchner Innenstadt eröffnet, freue er sich bereits sehr.

 

Schon klar, so eine Interview-Zusammenfassung ohne Zitate ist eine substanzlose journalistische Frechheit. Was ich eigentlich an dieser Stelle loswerden will: Sorry, Elyas! Sorry dafür, dass das Interview nicht erscheinen konnte, weil auf dem Aufnahmegerät nur Rauschen zu hören ist, exakt 20Minuten lang. Woran es lag? Keine Ahnung, mir ist das noch nie passiert. Digital ist eben doch nicht besser. Und mögen die Kritiker noch so harsch mit der Schüler-Lehrer-Proll-Sause ins Gericht gehen – ich finde, den gnadenlos überdrehten Schulausflug nach Thailand kann man sich ruhig anschauen. Unter anderem geht es im Film übrigens um die Frage, wie man mit eigenen Fehlern umgeht. Gutes Thema, wichtiges Thema.

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  1. Oktober 28, 2015

    Mein erster Auftrag für ein großes, bundesweites Magazin: ein Interview mit meinem Jugendidol Nena! Auf dem Band (damals noch analog, ein sauteures Sony-Diktiergerät) – nur rauschen. Konnte den Auftrag retten, indem ich einen Fließtext schrieb, ein paar Zitate hatte ich noch im Kopf (das beste Diktiergerät überhaupt!)… Seitdem Interviews nur noch mit ZWEI Geräten!! Und im heutigen Social-Media-Reporter-Zeitalter einmal als Video. Überlege gerade, via Periscope würde mir ein Elyas Interview wahrscheinlich ratz fatz zig Follower bringen …

    • Oktober 28, 2015

      Oh je, auch übel, und dann auch noch beim persönlichen Idol! Die Lösung mit dem Zweitgerät habe ich mir inzwischen auch angewöhnt. Man lernt ja aus seinen Fehlern.

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