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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (35)

11. November 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Autoren auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 35. Teil vom 10.11.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Ruf! Mich! An!

Sam Mendes hat nicht angerufen. Weder am Dienstag aus Rom, noch am Mittwoch aus Madrid, noch irgendwann aus irgendwo. Nun ist man ja als Filmjournalist zu allem bereit, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit dem Regisseur des größten Bond-Thrillers der Geschichte zu sprechen (Spectre ist spektakulär und läuft in fast allen Kinos). Man klammert sich an den Zettel mit den Fragen, an das Aufnahmegerät sowieso, hoffend, dass das Handy nicht gerade dann klingeln muss, wenn man selbst gerade muss. Hätte passieren können bei Ansagen wie diesen: „Kann sein, dass Sam heute Vormittag spontan aus dem Auto anruft, genau wissen wir es leider nicht.“

Nach 24 Wartestunden und der zehnten Trost-SMS denkt man sich schließlich: Ich könnte den Feierabend auch in einer Bar verbringen (Lieblingstipp: Carlitos Minibar in der Ohlmüllerstraße), einen Wodka Martini trinken oder zwei, ob geschüttelt oder gerührt ist auch schon wurscht.

Und so erinnerte ich mich an die skurrilen, peinlichen, ärgerlichen, entzückenden, wahnwitzigen Interview-Pannen, die ich in all den Jahren erlebt hatte. Christian Slater zum Beispiel. Im Unterschied zu Sam Mendes rief er mich an – nicht nur einmal, nicht nur zweimal, drei-, vier- oder fünfmal! Das Problem war nämlich, dass die Verbindung immer wieder getrennt wurde, was eindeutig an meiner alten Telefonanlage lag. Während wir also über den Film „Bobby“ sprachen, flog der Hollywood-Rabauke immer wieder aus der Leitung, kam immer wieder zurück und genoss seine Witze. „So leicht werden Sie mich nicht los, mein Freund.“

Ein anderes Mal nahm ich das Flugzeug nach Berlin, um Michael Keaton zu treffen. Als ich im Hotel ankam, abgehetzt wie die Gegner des FC Bayern, waren die Interviews zu „Ein toller Käfer startet durch“ bereits beendet. Mein Flieger hatte Verspätung, er startete sozusagen nicht durch, und die PR-Kolleginnen meinten am Telefon, ich solle es trotzdem versuchen. Dummerweise hörte ich auf sie. Nicht verpasst habe ich zehn Jahre später Elias M’Barek. Das Gespräch mit dem Shootingstar lief sogar ganz gut, nur leider nicht das Aufnahmegerät – Fack ju Göhte möchte man da schreien (der zweite Teil der Paukerkomödie wird noch immer in einigen Kinos gezeigt).

OliSchöne Entgleisungen gab es auch. Mit Oliver Kahn hätte ich einst über Frisuren reden sollen, weil er an jenem Abend eines dieser Haarpflege-Produkte promotete. Viel lieber sprachen wir über das nächste Champions-League-Spiel. Es ist ja so: Wenn man allzu euphorisiert ist, wird es heikel. Die Augen von Stefanie Kloß (Silbermond), die Stimme von Nadeshda Brennicke – bleiben Sie da mal professionell!

Und noch etwas gestehe ich: Nach einem Hotel-Frühstück mit Annett Louisan habe ich mich doch tatsächlich einmal verlaufen. In meiner eigenen Stadt, im bekannten Viertel, bei mir ums Eck! Und nach einem Interview mit Matt Bellamy von meiner Lieblingsband Muse (31. März, Olympiahalle) habe ich mir vor Freude eine Flasche Wasser geschnappt und ausgetrunken. Seine Flasche.

Oh, Verzeihung, mein Handy klingelt. Es wird doch nicht Sam Mendes sein?

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