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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (36)

23. November 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Autoren auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 36. Teil vom 23.11.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Es lebe der Eskapismus

Neulich saß ich Scarlett Johansson gegenüber. Ich konnte nicht anders und schloss die Augen. Nun zählt die begehrte Schauspielerin nicht dringend zu den hässlichen Geschöpfen dieses Planeten, aber sich lediglich von ihrer Stimme in eine andere Dimension katapultieren zu lassen, ist zuweilen die bessere Option (wer die Science-Fiction-Romanze „Her“ kennt, weiß, wovon ich erzähle).

Johansson las zwei Kapitel aus dem Liebesdrama „Ein ganz neues Leben“, einem Unterhaltungsroman über Schmerz und Trauer, Angstbewältigung und Neubeginn. Neben ihr lächelte Jojo Moyes, wegen der ich eigentlich in die Black Box gekommen war. Der Besuch der britischen Bestseller-Autorin („Ein ganzes halbes Jahr“) war einer der ersten Höhepunkte der 56. Münchner Bücherschau, die noch bis 6. Dezember mit Lesungen, Vorträgen und der Ausstellung der Verlage in den Gasteig lockt. Scarlett Johansson, das sollte ich vielleicht erwähnen, war in Gestalt von Luise Helm erschienen, die den Hollywood-Star seit vielen Filmen synchronisiert. An diesem Abend übernahm sie den deutschen Vorlese-Part, und ich folgte ihr, wohin mich ihre Stimme trug.

Film und Literatur haben viel gemeinsam, beide verführen zum Abdriften. Zur Realitätsflucht. Zum Träumen, Entkrampfen und Flunkern. In Terrortagen wie diesen kommt das gerade recht, es müssen ja nicht nur Romanzen sein. Nichts wie hin also zu John Niven (23.11.), zu Friedrich Ani (25.11.), Thomas Raab (27.11.) und Judith Holofernes (1.12.). „Hätten wir keine Bücher, hätten wir auch kein Leben“, schrieb der geschätzte Kollege Richard Lorenz in seinem Roman „Amerika-Plakate“, „es sind die Geschichten, die uns über die Nächte bringen.“

Außergewöhnliche Storys, vorangetrieben durch einen leistungsstarken Sprachmotor, faszinieren mich am meisten. Diese zu entdecken, ist gar nicht so einfach, zu zielstrebig spült der Mainstream Genre-Ware ans Lese-Ufer, Zeitgeist-Treibgut und jede Menge Müll.

MaroBeim Markt der unabhängigen Verlage, einem Fixpunkt des Literaturfests, dürfte fündig werden, wer das Besondere liebt. Das Motto im Literaturhaus ist Programm: „Andere Bücher braucht das Land“ (5. und 6.12.). Wer sich näher für die Branche interessiert, dem sei der Vortrag Zukunft Buch – Erfolgreich starten in die Buch- und Medienbranche empfohlen, der sich an junge Menschen richtet, die sich für die Berufswahl inspirieren lassen möchten (24.11, 17 Uhr, Gasteig).

Und Scarlett Johansson? Die wird erst in ein paar Monaten wieder im Kino zu sehen sein: In „Hail, Caesar!“, der neuen Komödie der Coen-Brüder (startet voraussichtlich im Februar), darf sie als Starlet ins Filmbusiness der Fünfzigerjahre eintauchen. Hollywood und ich, wir lieben den Eskapismus.

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