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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (37)

11. Dezember 2015

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Autoren auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 37. Teil vom 8.12.2015:

VORSCHLAG-HAMMER
Der brandneue Advent

Eine meiner liebsten Traditionen in der Adventszeit ist es, den Markt der unabhängigen Verlage im Literaturhaus zu besuchen. Unter dem Motto „Andere Bücher braucht das Land“ lassen sich immer wieder hübsche Weihnachtsgeschenke aufstöbern (Tipps: „Die Sau – Ein voll arger Heimatroman“aus dem Milena-Verlag oder die neuen alten Bukowski-Gedichte „Alle reden zu viel“ aus dem Maro-Verlag). Außerdem begegnet man hier Menschen, die Bücher nicht nach Bestsellerlisten und Tiefstpreisen aussuchen, um sie dann beim Großhändler im Internet zu bestellen. Sehr sympathisch.

Durch ein paar Zufälle geriet ich in eine Lesung mit Günter Ohnemus. Die Wahrscheinlichkeit, zufällig in eine Lesung mit Günter Ohnemus zu geraten, ist in etwa genauso hoch, wie in eine Fußballmeisterfeier in Berlin zu stolpern. Der Journalist, Schriftsteller und Brautigan-Übersetzer tritt ja in München so gut wie nie auf, dabei ist es eine wahre Freude, seinen Erzählungen zu lauschen (er las „München, Viktualienmarkt“, eine bezaubernde Kurzgeschichte aus den frühen Neunzigerjahren). Und so dachte ich mir, durchaus ein bisschen enthusiasmiert: Überraschungen in der Weihnachtszeit sind zwar selten, aber es gibt sie eben doch. Zwischen routinierten Glühweinvermeidungsstrategien, lustlosem Plätzchenfuttern und programmierten Tagesabläufen passieren Dinge, die lassen einen noch staunen. Schauen Sie zum Beispiel mal beim Weihnachtsmarkt auf dem Viehhof vorbei. „Märchenbazar“ heißt diese neue Anlaufstelle für verträumte Winterflaneure (täglich bis 26. Dezember).

Auch im Kino geschehen kleine Wunder: Neben den erwartbaren Weihnachtskomödien, die „Alle Jahre wieder heißen“ oder, etwas kreativer, „Die Highligen drei Könige“, lockt seit Donnerstag ein durch und durch göttliches Märchen. „Das brandneue Testament“ ist eine hinreißende, bitterböse und sehr unterhaltsame Tragikomödie über Gottes Tochter und ihr Aufbegehren gegen den tyrannischen Vater. Der belgische Autor und Regisseur Jaco van Dormael erzählt darin die Schöpfungsgeschichte neu und verpflanzt den Allmächtigen in das heutige Brüssel. Halleluja! Wer sich im Kino gerne gruselt, dem sei die festliche Horrorkomödie „Krampus“ ans Herz gelegt. Unheilige Stunden kann man auch bei den „Fantasy Filmfest White Nights“ im Cinemaxx erleben. Der neue Mini-Ableger zum beliebten Schockerfestival im Sommer präsentiert am dritten Adventswochenende zehn Neuheiten aus aller Welt, darunter Horror aus der Türkei („Baskin“) und Monster-Trash aus den USA („Lavalantula“).

Wer die Adventszeit statt mit einer feuerspuckenden Lavaspinne in Hollywood lieber mit Münchner Film- und Fernsehgrößen verbringen möchte, hat dazu an diesem Dienstag Gelegenheit: In der Buchhandlung Isarflimmern geben sich der Schauspieler Stephan Zinner und der Regisseur Marcus H. Rosenmüller die Ehre (20 Uhr, Auenstraße 2). Sie lesen Gedichte und musizieren. Wie sich das in der Vorweihnachtszeit eben so gehört. Traditionell und doch überraschend.

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