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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (41)

3. März 2016

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Autoren auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 41. Teil vom 2.3.2016:

VORSCHLAG-HAMMER
Enthüllungen im Kino

Heute soll es um die Wahrheit gehen, reden wir also vom Journalismus. Reden wir über Zoomania. Nun hat der neue Disney-Film über eine Megacity der Tiere andere Schwerpunkte als den Biss und die Objektivität von Redakteuren, zum Beispiel den Kampf gegen Vorurteile und Intoleranz. Angehende Reporter können aber auch in dem superlustigen Animationsfilm etwas lernen, der am Donnerstag startet: Wie Interview-Partner sich zuweilen in Gegenfragen flüchten, das wird hier hübsch dargestellt. Warum ich das schreibe, wenn ich doch ohnehin auf „Spotlight“ hinaus möchte, den besten Journalistenfilm seit langem? Weil ich „Zoomania“ auch unterbringen wollte, und weil ein Einstieg mit Tieren sowieso flockiger daherkommt als ein dröges Redaktionsszenario.

Zurück zu Spotlight. Der Enthüllungs-Thriller, kürzlich mit zwei Oscars prämiert, erzählt die Geschichte, wie das Investigativ-Team des Boston Globe Dutzende Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche aufdeckt. 15Jahre liegen die Recherchen zurück. Der Spielfilm ist die beste Antwort auf die Lügenpresse-Diskussion unserer Tage. Ein Journalisten-Thriller aus Deutschland ist ebenfalls diese Woche im Kino zu sehen – dem Filmmuseum sei Dank: In der schönen Reihe „Deutsche Filme 2015“ (bis Ende April) holen die Veranstalter Christoph Hochhäuslers Die Lügen der Siegerauf die Leinwand zurück (5. März, 18.30 Uhr, 8. März, 21 Uhr). Darin muss Florian David Fitz („Der geilste Tag“) als labiler Journalist in einem Machtspiel von Politik, Bundeswehr, Industrie und Medien bestehen.

Dem Journalismus recht ähnlich, können auch Dokumentarfilme die Realität überzeugend abbilden. Gesellschaftspolitisch wuchtige Werke sind in der Reihe Best Doks im Arri-Kino zu sehen: Unter dem Motto „Unrecht braucht Zeugen“ werden die Oscar-nominierten Filme „The Look of Silence“ über den Genozid in Indonesien (9. März) und „Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom“ gezeigt (23. März). Außerdem im Programm: „Among The Believers“, ein Porträt über den Kleriker Abdul Aziz Ghazi, der Kinder und Jugendliche auf ein Leben für den Dschihad vorbereitet (16. März).

Auch in anderen Kinos laufen derzeit spannende Dokumentarfilme: In Sexarbeiterin hat Sobo Swobodnik eine Berliner Tantra-Masseurin durch ihren Alltag begleitet (3., 5. und 6. März im Werkstattkino). Heitere Töne schlägt Michael Moore an, der in Where to Invade next das Glück in aller Welt sucht. Eine Tendenz im Dokumentarfilm, die auch Moore bedient, kann man bei der Nonfiktionale in Bad Aibling ergründen: Von 3. bis 6. März laufen hier Festivalfilme, bei denen der Regisseur als zentraler Protagonist vor der Kamera agiert. Das Motto: „Über: Ich“. Aber Vorsicht: Zu viel Ich ist im Journalismus verpönt. Deshalb mache ich jetzt Schluss.

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