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SZ-Kolumne: Vorschlag-Hammer (45)

24. Juni 2016

Bernhard Blöchl

Hingehen, fernbleiben, Lieblingsfluchten. Unter dem – nun ja – Schlagwort „Vorschlag-Hammer“ schreiben SZ-Autoren auf, welche Münchner Kulturveranstaltungen sie empfehlen (und vor welchen sie warnen). Hier mein 45. Teil vom 24.6.2016:

VORSCHLAG-HAMMER
Midlife ohne Mitleid

Neulich begab ich mich auf eine Reise, um mich vom Älterwerden abzulenken. Ich tat das im vollen Bewusstsein, dass die Null eine neue Ziffer davor mit sich bringt. Aber man kann sich das zumindest schönurlauben. So dachte ich vor dem Trip. Nun ist Amsterdam eine tollkühne Stadt, keine Frage, aber mit 40 fühlt man sich dort wie vieles, nur nicht das: jung. Weil die meisten jünger sind. Um den Dam wuseln die Studenten, in den Bars und Clubs sowieso. Aus den Coffeeshops dringt der süßlich-gallige Duft, der die ganze Stadt einlullt, und für die Stakkato-Beats frischer Dubstep-Tracks scheinen die Niederländer ebenfalls eine Schwäche zu haben. Schließlich entdeckte ich einen Ort, wo Alter keine Rolle spielt.

EyeDas Filmmuseum am Nordufer des Meeresarms Ij ist sowohl architektonisch als auch cineastisch beeindruckend. Der futuristische Neubau, „Eye“ genannt, birgt diverse Ausstellungen und mehrere Kinosäle, in denen alte Filmkunst und junge Avantgarde groß herauskommen. Eine Welt für sich, für Freunde des Kinos.

Im Vergleich dazu ist das Münchner Filmmuseum, mit Verlaub, eine Rumpelkammer. Eine, in die man sich gerne verzieht. Zu den Retrospektiven und Hommagen des Filmfests zum Beispiel, die allesamt hier präsentiert werden (bis 2. Juli): Christian Petzold, Ellen Burstyn, Bahman Ghobadi, Jacques Rivette – da kann man schon mal ein „Eye“ zudrücken, sozusagen, und das Kellerkino der Sommersonne vorziehen.

poster2016_jpg_dlMünchen macht es dem Heimkehrer ohnehin sehr leicht. So vieles gibt es, auf das man sich freuen kann. Bekanntlich ist es ja vor allem das Münchnerische, auf das man sich nach dem Urlaub stürzt. Neben dem Filmfest, das einen Tag und Nacht auf Trab hält, lockt auch das Sommer-Tollwood, dieser wundersame Rummelplatz für Kultur-Flaneure. Schon mal vormerken: Das Stadt-Land-Rock-Festival von 21. bis 23. Juli in der Tanzbar lässt junge Bands aus der Region ran, während sich in der Musik-Arena Pop-Größen aus aller Welt präsentieren (mein Tipp: Bilderbuch aus Österreich – die herrlich präpotenten Burschen haben den Falco-Funk mit der Blockflöte inhaliert, 8. Juli).

Vorher schon, an diesem Freitag, 24. Juni, zeigt eine Band, dass man als Midlife-Mann keine Krise haben muss, sondern, im Gegenteil, erst so richtig in Schwung kommt, wenn die Haare ergrauen. Sie und drei weitere Newcomer treten beim Minifestival Munich Rocks! im Ampere auf (Eintritt frei, 20.30 Uhr). Die Münchner mit der Vorliebe für verschleppten Britpop und lässigen Indierock haben sich einen Namen gegeben, der auch den entspannten Amsterdamern – egal, welchen Alters – gut zu Gesicht stehen würde: Fuck Yeah!

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