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Fix ist nix. Auf Schlingerkurs zum zweiten Roman

7. August 2016

Bernhard Blöchl

Berlin und ich, wir werden nicht warm. Wie mich der Schlingerkurs meiner Roadnovel auf geradezu surreale Weise real eingeholt und von Berlin zurück nach München gebrach hat: Ein verlegerischer Chaos-Trip mit mehr Plot-Twists, als einem Romanautor lieb sein kann.

SonotBerlin

Die Sache war ja so. Stell dir vor, dein Lieblingslektor, den du bisher nur vom Hörensagen kanntest, begeistert sich für dein Manuskript, kauft es ein für sein Programm und will es als Spitzentitel herausbringen. Den Glücksschub braucht man nicht zu spezifizieren, das ist der Fünfer mit Zusatzzahl, dein persönliches Pfingstwunder 2015. Zumal es sich bei dem Käufer um den Wolf-Haas-Entdecker handelt, der dem Wortgenie jahrelang zur Seite stand. Großerheld Hilfsausdruck.

Stell dir weiter vor, dein Lieblingslektor gibt dir frische Impulse, dirigiert dich durch Plot-Zweige, von deren Wichtigkeit und Wucht du nicht den Hauch einer Ahnung hattest. Gefühlsschübe selbstverständlich, schließlich ist diese intensive Texterfahrung so neu für dich wie ein guter Rosé. Dann stell dir vor, du schreibst das Teil fertig, bekommst süßesten Biohonig ums Maul geschmiert, fühlst dich wie Schalke in der neunzigsten Minute 2001, und dann passiert etwas, das nicht passieren darf, aber halt passiert. Manchmal ist das Leben ein bipolarer Horst. Du erfährst aus der Zeitung, dass der Berlin-Verlag umstrukturiert werden soll, Bloomsbury Berlin gar eingedampft. Programmplatz futsch, Roman fertig. Schöner Mist.

Der Literaturmarkt ist eine launische Diva, das hast du eh längst kapiert. Fix ist da nix, auch nicht nach Abschluss eines Verlagsvertrags. Zu viel kann passieren auf dem Weg zur Veröffentlichung. Weil aber Überraschungen nicht nur mies, sondern auch fesch sein können, freu dich mit mir über den nächsten Plot-Twist. Der geht so: Inzwischen ist klar, dass mein Buch erscheint. Also doch. Und zwar bei Piper im Paperback. Wie das und warum so schnell? Eigentlich ganz einfach. Berlin gehört der schwedischen Bonnier-Gruppe und kooperiert in Deutschland mit Piper. Also erfüllt man die Verträge des anderen. Gerade freue ich mich über die Nachricht, dass mir wohl auch mein Lieblingslektor erhalten bleibt. Der Wunschtitel ist durch, das Cover auch. Im September wird lektoriert, und wenn nicht wieder etwas dazwischenfunkt, dann erscheint mein Roman im Frühjahr 2017.

Was mir beim Schreiben dieser Zeilen eben erst klar wurde: Berlin und ich, wir werden nicht warm. Ab und an versuchen wir es, doch eine Urkraft zerrt mich immer wieder nach München zurück. Bloomsbury war Berlin, Piper ist München. Und irgendwie holt mich auch der Schlingerkurs meiner Roadnovel auf geradezu surreale Weise real wieder ein. In der Geschichte geht es um Knoppke, einen Midlife-Mann neben der Spur, der sich treiben lässt durch sein Leben aus verpassten Chancen. Ans Ziel kommt er trotzdem, auch wenn er es gar nicht kannte.

Ich sag ja viel zu oft: Der Umweg ist das Ziel. Ich glaub da übrigens wirklich dran.

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