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Buchmessesplitter

26. März 2017

Bernhard Blöchl

33 Dinge, die ich in Leipzig gelernt habe

Von Gedichten, die auf Bäumen wachsen, Sonnen, die aus Hintern scheinen, Bloggern, die auf Bücher starren und Katzen, die von Strumpfhosen grinsen – die Leipziger Buchmesse in Wort- und Bildfetzen.

  1. Die Pflückgedichte an den Bäumen vor dem Messezentrum sind besser als der eine oder andere Lyrikband.
  2. Am Piper-Stand strahlte Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint mit „Paper Princess“ um die Wette.
  3. Im Messe-Shop lag „Im Regen“ Ecke an Ecke mit T.C. Boyle.
  4. Andere Autoren hatten nicht so viel Glück – ihre Bücher fehlten im Shop.
  5. Im Buchladen „Lehmanns“ war „Im Regen“ auf dem Tisch „Iss mal abgefahren!“ drapiert (zusammen mit Wolfgang Herrndorf, Max Goldt und Benjamin von Stuckrad-Dingens). Lecker!
  6. Bei Dumont haben sie mich und meinen SZ-Artikel auf einem Riesen-Berni-Mayer-Plakat zitiert. Ich staune. Gefragt haben sie nicht.
  7. Dumont kann froh sein, eine Mitarbeiterin wie Marie Claire zu haben.
  8. Auch die dtv-Leute wissen, was sie tun. Sympathisch sind sie obendrein.
  9. Verlage halten sehr viel von Buchbloggern.
  10. Es gibt sehr viele Buchblogger.
  11. Sharon und Jack Baker sind sehr nette Buchblogger (man verzeiht Jack sogar sein Faible für Borussia Mönchengladbach).
  12. Auch von Bookstagrammern halten Verlage sehr viel.
  13. Es gibt sehr viele Bookstagrammer.
  14. Im Antiquariats-Bereich riecht es mehr nach Papier, als einem Bookstagrammer lieb sein kann.
  15. Der Blick auf die gesammelten Insel-Verlags-Titel ist die beste Meditation für gestresste Messebesucher.
  16. Anne Sanders hat ein Deko-Schiff zur Präsentation ihrer Bücher bekommen: in der Bahnhofsbuchhandlung, am Blanvalet-Messestand, überall (und ich bin ihr Kapitän, juhu, oder wohl eher: ihr Matrose).
  17. Anne Freytag kann sehr lebendig lesen – und füllt schöne Orte wie das Café Puschkin spielend.
  18. Martin Suter ist kein fesselnder Vorleser. Oder er hatte einen schlechten Tag. Oder beides.
  19. Nora Gomringer ist eine fesselnde Gesprächspartnerin. Oder sie hatte einen guten Tag. Oder beides.
  20. Marcel Reif weiß nicht mehr, wie das erste Spiel ausging, das er im Fernsehen kommentiert hat. Dafür kann er die Faszination von Fußball erstaunlich gut auf den Punkt bringen: Das Spiel ist einfach, und man kommt nie davon los.
  21. Faszinierend: Die Autogrammsammlerschlange bei Sebastian Fitzek war länger als die Straßenbahn zur Messe.
  22. Faszinierend (2): Auch Benedict Wells hat eine lange Schlange.
  23. Schlangen spielen bei Tom Robbins eine große Rolle, etwa in „Tibetischer Pfirsichstrudel“, den steilen Fast-Memoiren, in denen ich auf der Zugfahrt gelesen habe.
  24. IC ist bequemer als ICE.
  25. ICE ist kälter als IC.
  26. Die Bahnstrecke München-Leipzig ist ein vorbeiziehendes Märchenland mit musealem Charakter. Mit Weitblick, Wiesen, Bächen und Naturparks. Wen stören schon die Bruchbuden zwischendurch, wenn sich irgendwann das Bauhaushotel „Haus des Volkes“ in den Vordergrund schiebt?
  27. Das Steigenberger in Leipzig hat in der Lobby einen Glaskasten gefüllt mit Reclam-Heften.
  28. In der Manga-Comic-Halle gibt es Plüsch-Alpakas und Knuddelhamster mit Riesenkopf und Minifüßen.
  29. Manga-Menschen mögen einen Knall haben, aber Frauen in Strumpfhosen mit Katzen drauf und Laufmaschen sind immer noch stimmungshebender als Anzugmenschen mit eindeutig zu vielen Nadelstreifen und Sorgenfalten.
  30. Spider-Man war auch da. Er war sehr schlapp.
  31. Judith Liere vom Stern war auch da. Sie war sehr unternehmungslustig.
  32. Marlis von Thalia ist die beste Buchhändlerin in Weimar. Mindestens. Und die netteste.
  33. Ich melde mich übrigens bei Instagram an. Bald. Vielleicht.

Bonus: Die Leipziger Buchmesse ist halt doch recht überschaubar. Ich meine, wie wahrscheinlich ist es, dem SZ-Kollegen zwei Mal (!) an unterschiedlichen Orten (!!) zufällig (!!!) über den Weg zu laufen? Also öfter als tagein, tagaus im SZ-Turm in München. Beschweren möchte ich mich indes nicht, im Gegenteil: ein schöner Zufall, lieber Dirk, oder besser: ein Zufall schöner als der andere.

 

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